50 Jahre deutsch-marokkanisches Anwerbeabkommen

Veröffentlicht in Marokko

Reden über Migration und die Chancen, die sich daraus für die Herkunfts- und Zielländer ergeben.

Vor 50 Jahren, am 21. Mai 1963, unterzeichneten die Bundesrepublik Deutschland und das Königreich Marokko ein Anwerbeabkommen und reagierten damit auf den Fachkräftemangel in Deutschland und eine Migrationsbewegung, die schon längst eingesetzt hatte. Eine zweitägige Veranstaltung in Berlin würdigte dieses Jubiliäum und vor allem auch das vielseitige Engagement von marokkanischen Migranten.

„Es hat eine Weile gedauert, bis uns der Zusammenhang von Migration und Entwicklung nicht nur aufgefallen, sondern bewusst geworden ist – heute wissen wir, das eine geht nicht ohne das andere.“ Mit diesen Worten bekräftigte Bundestagspräsident Norbert Lammert, was auch in der entwicklungspolitischen Arbeit zunehmend erkannt wird: Migration ist ein Schlüsselfaktor für nachhaltige Entwicklung weltweit. Und eine entscheidende Rolle, Migration positiv zu gestalten, spielen dabei die unmittelbar Betroffenen: Migranten, die sich auf vielfältige Weise engagieren.

Das Engagement marokkanischer Migranten in Deutschland stand deshalb im Mittelpunkt einer zweitägigen Veranstaltung in Berlin, zu der das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) gemeinsam mit dem Deutsch-Marokkanischen Kompetenznetzwerk (DMK) e.V. am 25. und 26. Juni eingeladen hatten.

Neben Norbert Lammert würdigten auch der marokkanische Minister für im Ausland lebende Marokkaner, Abdellatif Maâzouz, Bundestagspräsidentin a.D., Rita Süssmuth, und Cornelia Richter, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), ein halbes Jahrhundert Geschichte und die besondere Rolle der marokkanischen Migranten als Brückenbauer zwischen den Welten.

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Teilnehmer der Veranstaltung zum 50-jährigen Anwerbeankommen in Berlin.

„Migranten sind für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit wichtige strategische Partner“, betonte auch Stephan Bethe, Referatsleiter im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in seinem Grußwort und unterstrich die gute Zusammenarbeit mit CIM in diesem Feld: Die Arbeitsgemeinschaft der GIZ und der Bundeagentur für Arbeit fördert im Auftrag des BMZ entwicklungspolitische Projekte von Diasporaorganisationen wie dem DMK. CIM unterstützt aber auch Migranten, die in ihr Herkunftsland zurückkehren möchten, um dort als Unternehmer aktiv zu werden oder im Angestelltenverhältnis zu arbeiten. Denn viele Migranten, die sich für eine dieser Optionen entscheiden, leisten dadurch wertvolle Beiträge zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung ihres Herkunftslandes und stoßen Innovationen mit an.

Im Rahmen der Veranstaltung unterzeichneten Cornelia Richter und Abdellatif Maâzouz eine Vereinbarung zur weiteren Ausgestaltung der Kooperation zwischen CIM und dem marokkanischen Ministerium für im Ausland lebende Marokkaner, auch vor dem Hintergrund der am 7. Juni 2013 geschlossenen EU-Mobilitätspartnerschaft zwischen der EU und Marokko. In international besetzten Podiumsrunden und Fachgesprächen diskutierten die Teilnehmer der Veranstaltung – unter Ihnen zahlreiche marokkanische Migranten mehrerer Generationen – die Möglichkeiten und Herausforderungen von Migration für Entwicklung.

Der kulturelle Austausch kam bei der Veranstaltung in Berlin nicht zu kurz: Marokkanische Erzählungen, Lieder, kulinarische Speisen und eine Wanderausstellung über die Einwanderungs- und Integrationsgeschichte von Marokkanern in Deutschland rundeten die Veranstaltung ab und spiegelten die Vielfalt Marokkos wider. Deutlich wurde dabei vor allem eines: das Klischee des schlecht integrierten, nicht engagierten Migranten, das in vielen deutschen Köpfen noch vorherrscht, hatte mit der Realität der Veranstaltung in Berlin wenig gemein.