Auf dem Weg zum eigenen Unternehmen

Veröffentlicht in Marokko
Mohamed Chengour, Teilnehmer im Programm "Geschäftsideen für Marokko"

Mohamed Chengour ist Teilnehmer im Programm “Geschäftsideen für Marokko“. Hier stellt er seine Geschäftsidee vor.

Ende April fand in Meknès die SIAM statt, eine der wichtigsten Messen für den Landwirtschaftssektor in Afrika. Aus Deutschland nach Meknès gekommen war auch Mohammed Chengour – weil er in Marokko ein eigenes Unternehmen gründen möchte.

Mohammed Chengour ist Maschinenbauingenieur und lebt seit 14 Jahren in Deutschland. Die umweltfreundlichen Reinigungstechnologien, mit denen er seit vielen Jahren als Angestellter im Ruhrpott  arbeitet, will er nun nach Marokko exportieren. „Der Umweltschutz ist in Marokko sozusagen noch ein weißer Fleck auf der Landkarte“, wittert der 39-Jährige seine Chance.

Doch gibt es für mein Produkt und meine Dienstleistungen tatsächlich auch eine Nachfrage in Marokko? Und wenn ja, was wären mögliche Standorte? Sind meine zukünftigen Kunden bereit, für umweltfreundliche Technik und deutsche Qualität auch höhere Preise zu zahlen? Welche gesetzlichen Vorschriften sind in Marokko in der Planung? Und gibt es vielleicht schon erste Konkurrenten? Mit diesen und vielen anderen Fragen im Gepäck reiste Chengour im April also nach Marokko.

Gut vorbereitet

Auf seine Reise und seine Marktrecherche in Marokko vorbereitet hat sich Mohammed Chengour in Deutschland. Er besuchte verschiedene Seminare im Programm “Geschäftsideen für Marokko“ und hat in den letzten Monaten gemeinsam mit einem Existenzgründungsberater an einem ersten Entwurf seines Businessplans gearbeitet.

Doch auch in Marokko selbst bekommen Teilnehmer im Programm “Geschäftsideen für Marokko“ Unterstützung. Moha Ezzabdi von der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Marokko hat Chengour bei seinem letzten Aufenthalt verschiedene Türen geöffnet. Für die Messe in Meknès konnte er ihm aufgrund seiner hervorragenden Fachkenntnisse und Mehrsprachigkeit einen kleinen Job als Dolmetscher besorgen.

So hat Chengour in Meknès zwischen einer Delegation deutscher Investoren und marokkanischen Geschäftsleuten aus seiner Branche vermittelt. Dadurch konnte er viele neue Kontakte knüpfen und für sein Vorhaben wertvolle Informationen sammeln. „Ich habe außerdem ein besseres Verständnis davon bekommen, wie meine Branchenkollegen in Marokko ticken, wie sich die Beziehung zwischen Kunden und Lieferanten in Marokko gestaltet und wo die Unterschiede zur Arbeitsrealität in Deutschland liegen“, berichtet Chengour.

Kontakte, Kontakte, Kontakte

Persönliche Kontakte und Beziehungen sind in Marokko wichtig, vielleicht wichtiger als in Deutschland. Das gilt gerade auch in der Vorgründungsphase, denn aussagekräftige und zuverlässige Marktstudien gibt es in Marokko kaum. Deshalb ist das Gespräch mit Wettbewerbern, potenziellen Kunden und möglichen Lieferanten vor Ort so wichtig. Für Chengour war die Messe in Meknès deshalb genau das Richtige. Er hat jedoch gemerkt, dass es nach 14 Jahren in Deutschland viel Mühe und auch Zeit kostet, sich in Marokko wieder ein Netzwerk aufzubauen. „Im Gespräch mit potenziellen Kunden und Lieferanten habe ich außerdem gemerkt, dass mein Französisch schon etwas eingerostet war und geölt werden muss“, gibt Chengour zu.

Moha Ezzabdi hat Mohammed Chengour auch zu Terminen bei Banken begleitet und ihm einen Termin mit dem Produktionsleiter eines Industrieunternehmens organisiert, das ein möglicher zukünftiger Kunde von Chengour sein könnte. Gerade der Termin bei der Bank Al Amal hat Chengour in seinem Vorhaben bestärkt. „Die Bankvertreter, denen ich meine Idee vorstellen konnte, fanden sie richtig gut. Auch die Zinsen, die sie mir in Aussicht gestellt haben, waren niedriger als ich es erwartet hatte“, so Chengour.

Mit einem Existenzgründungsberater in Casablanca, der auch aus dem Programm “Geschäftsideen für Marokko“ finanziert wird, ist Mohammed Chengour am Ende seines Aufenthalts noch mal alle wichtigen nächsten Schritte durchgegangen.

Businesspartner gesucht

Nun ist Mohammed Chengour wieder in Deutschland. Tagsüber ist er Angestellter. Am Abend zukünftiger Unternehmer. Dann feilt an seinem Businessplan und an seiner Finanzplanung. Außerdem hält er Ausschau nach einem Geschäftspartner, der sich für seine umweltschonende Geschäftsidee begeistern kann und fundiertes betriebswirtschaftliches Know-how mitbringt.

„Meine Geschäftsidee spukt schon seit über zwei Jahren in meinem Kopf herum“, sagt Chengour. Das Programm “Geschäftsideen für Marokko“ sei für ihn genau zur richtigen Zeit gekommen. Die Seminare in Deutschland, die Kontakte zu anderen marokkanischen Existenzgründern und vor allem auch die Begleitung und Beratung in Marokko hätten ihm  sehr geholfen, seine Idee weiter zu entwickeln und ein realistischeres Bild zu bekommen. Sein Fazit zu seinem dreiwöchigen Marokkoaufenthalt: „Am Anfang war das Glass noch leer, jetzt habe ich das Gefühl es füllt sich langsam.“