Das Netz der Möglichkeiten

Veröffentlicht in Marokko
Mohamed Baouch

Mohamed Baouch, 36: Unternehmer in Deutschland und seit kurzem auch in Marokko.

Seit acht Jahren ist Mohamed Baouch in Deutschland selbstständig. Der 36-Jährige betreibt in Wiesbaden die Mediaagentur “Zaytoon Media“ und hat mit www.maroczone.de die größte Online-Community für in Deutschland lebende Marokkaner aufgebaut. Vor kurzem hat der junge Unternehmer mit Unterstützung des Programms “Geschäftsideen für Marokko“ auch in Marokko ein eigenes Unternehmen gegründet. Hier spricht er darüber.

Wie kam es zur Idee, in Marokko ein Unternehmen zu gründen?

Mohamed Baouch: Wir haben jahrelang gute Erfahrungen mit unserer marokkanischen Plattform www.maroczone.de im deutschsprachigen Netz gemacht. Sie hat mittlerweile knapp 60.000 Nutzer. Es bot sich für mich deshalb an, das Wissen und die Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren in Deutschland gesammelt habe, auch in Marokko einzusetzen.

Mohamed Baouch nach der Gründung.

Mohamed Baouch (links) nach der offiziellen Firmengründung vor dem Gerichtsgebäude in Oujda. Unterstützung bekam er vom Existenzgründungsberater Fouad Maachi.

Besonders im Bereich Neue Medien sehe ich viele Potenziale in Marokko. Dort gibt es derzeit rund 49 Internetnutzer pro 100 Einwohner. 2009 waren es noch 39 Internetnutzer pro 100 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es derzeit 82 Internetnutzer pro 100 Einwohner. Und das Interesse für neue Medien ist insbesondere bei den vielen jungen Leuten in Marokko groß, denn wie überall sonst auf der Welt wollen auch die Leute in Marokko informiert sein und sich selbst mitteilen können.

Da ich als Unternehmer natürlich an Rechtssicherheit und Nachhaltigkeit interessiert bin, war es für mich nur logisch, dass ich in Marokko für die Umsetzung meiner Geschäftsidee ein eigenes Unternehmen gegründet habe.

Worin besteht Ihre Geschäftsidee konkret?

MB: Ich baue für mehrere marokkanische Städte Onlineportale auf, die lokale Nachrichten bringen und den Nutzern die Möglichkeit bieten, sich aktiv am Geschehen in ihrer Stadt zu beteiligen. Die erste Plattform www.berkanezoom.com ist seit September 2011 online und hat an guten Tagen schon bis zu 5000 Besucher. Als nächstes sollen die Plattformen für die Urlaubshochburg Saidia www.saidiazoom.com, die Grenzstadt Oujda www.oujdazoom.com und die Küstenstadt Nador www.nadorzoom.com online gehen.

Sie sind in Deutschland aufgewachsen und sind auch als Unternehmer mit der deutschen Geschäftskultur groß geworden. Was sind für Sie nun die größten Herausforderungen in Marokko?

www.berkanezoom.com

Mohamed Baouchs erste Onlineplattform in Marokko: www.berkanezoom.com

MB: Für in Deutschland aufgewachsene Marokkaner ist sicherlich die Sprache eine der größten Hürden. Damit meine ich nicht Arabisch, sondern die Geschäftssprache Französisch. Auch die Suche nach zuverlässigen Mitarbeitern und den richtigen Partnern, die notwendig sind, um mein Projekt landesweit auszurollen, ist nicht ganz einfach. Denn nach so vielen Jahren in Deutschland fehlt mir natürlich in Marokko ein breites Netzwerk. Deshalb bin ich über die Kontakte, die ich im Programm “Geschäftsideen für Marokko“ bekommen habe, sehr dankbar.

Wie sieht Ihre Konkurrenz in Marokko aus und wie grenzen Sie sich von dieser ab?

MB: Die Konkurrenz im Bereich Neue Medien ist natürlich sehr groß. Hier gilt es deshalb durch zeitgemäße Technologie, Ausdauer und strukturiertes deutsches Arbeiten zu punkten. Außerdem bin ich mit Zaytoon Media breit aufgestellt. Neben unserer langjährigen Erfahrung in den Bereichen Internetkommunikation und Online-Communities bringen wir auch Know-How in Webdesign mit, in Internetmarketing, in der Produktion von Printprodukten sowie in Betriebswirtschaft.

Wie schätzen Sie Ihre Marktchancen in Marokko ein?

MB: Insgesamt ist es kein Geheimnis, dass sich Marokkos Märkte in den letzten Jahren sehr gut entwickelt haben. Im Bereich Neue Medien ist der Markt schon ganz gut aufgestellt, aber es gibt noch Spielräume. Der Bezahlservice Paypal hat beispielsweise erst vor kurzem den marokkanischen Markt entdeckt. Und ich bin mir sicher, dass in nächster Zeit noch andere namhafte Firmen folgen werden. Aber das gilt natürlich nicht nur für meine, sondern für alle Branchen. Außerdem stehen ja nicht alle in Marokko aktiven Firmen in direkter Konkurrenz zu meinem Angebot. Generell gilt: Konkurrenz belebt das Geschäft. Deshalb freue ich mich auf die neue Herausforderung in Marokko.

Outsourcing ist derzeit ein großer Trend. Sehen Sie auch für sich Möglichkeiten, Projekte von Deutschland nach Marokko auszulagern?

Mohamed Baouch bei der Arbeit.

Kurz vor Marokkos Wahl im November 2011: Um Inhalte für seine Onlineplattform zu produzieren, fragt Mohamed Baouch (zweiter von rechts) und zwei seiner Mitarbeiter Bürger in Berkane nach ihrer Meinung.

MB: Das Outsourcing von Projekten nach Marokko kann sich durchaus bezahlt machen. Das sieht man nicht zuletzt an den vielen Call Centern, die in den letzten Jahren in marokkanischen Großstädten entstanden sind. Mit vorausschauendem Blick – Stichwort ‘‘demographischer Wandel“ und ‘‘Fachkräftemangel“ in Deutschland – kann auch ich mir das Outsourcen von geeigneten Geschäftszweigen vorstellen. Ich glaube jedenfalls, dass dieses Thema in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen wird.

Was ist Ihre Vision als Unternehmer?

MB: Wir wollen uns mit Zaytoon Media in Marokko so aufstellen, dass wir auch langfristig am Markt bestehen können. Unsere Onlineplattformen wollen wir Schritt für Schritt weiter ausbauen. Nach dem Norden wollen wir auch den Westen und Süden Marokkos erreichen. Mit meinem Unternehmen in Marokko will ich meinen kleinen Anteil zur positiven Entwicklung des Landes beitragen und zumindest einigen Leuten einen Arbeitsplatz verschaffen. Das bin ich meiner Heimat schuldig.