Ghana: Das Land

Wenn von afrikanischen Ländern mit Vorbildcharakter die Rede ist, fällt häufig der Name „Ghana“. Das christliche Land im Westen Afrikas gilt als demokratisch gefestigt und als stabil, die Ghanaer selbst als umtriebig und geschäftstüchtig.

In Deutschland bilden Ghanaer die größte Migrantengruppe aus Subsahara-Afrika. Nicht wenige unter ihnen denken über eine Rückkehr nach Ghana nach. Ein wichtiger Grund für diese Überlegung: Schon seit einigen Jahren entwickelt sich Ghana nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich positiv – und das nicht nur, weil an der Küste vor einigen Jahren Öl entdeckt wurde. Die Regierung ist sehr um Diversifizierung der Wirtschaft bemüht, auch aufgrund stetig schwankender Weltmarktpreise. Sie versucht, die Abhängigkeit von Rohstoffen wie Gold, Kakao, Edelhölzern und Öl zu reduzieren und stärker auf deren Weiterverarbeitung zu setzen.

Die Zahlen bestätigen diesen Kurs: In den letzten Jahren ist Ghanas Wirtschaft stetig gewachsen, wenngleich in den letzten Jahren mit geringerem Tempo. Die Zahl der Ghanaer, die laut Definition der Vereinten Nationen unter der Armutsgrenze leben, hat sich seit den 1990ern halbiert. Seit 2010 darf sich Ghana außerdem zur Gruppe der sogenannten Mitteleinkommensländer („lower middle income countries“) zählen.

Aktuelle Geschäftspotenziale in Ghana

Alles in allem sind dies gute Nachrichten – auch und insbesondere für Unternehmensgründer. Denn eine wachsende Mittelschicht und eine Reduktion der Armut bedeuten eine wachsende Kaufkraft und gute Erfolgschancen für innovative Geschäftsideen. Das gilt durchaus auch für traditionelle und arbeitsintensive Sektoren wie die Landwirtschaft und das verarbeitende Gewerbe, in denen Ghanas Wirtschaftsleistung seit mehreren Jahrzehnten auf niedrigem Niveau stagniert. Dass sich unternehmerisches Engagement gerade auch in diesen Sektoren lohnen kann, zeigt das Beispiel des Unternehmers Issa Ouedraogo.

Der Handel zwischen Ghana und Deutschland hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Ghana ist Deutschlands drittgrößter Handelspartner in Subsahara-Afrika, nach Südafrika und Nigeria. Auch aus dieser Tatsache können sich unternehmerische Potenziale ergeben, insbesondere für Ghanaer, die die deutsche Kultur und Sprache verstehen und eine wichtige Rolle als Mittler zwischen den Ländern und Kulturen übernehmen können. Andreas Voss von der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) verzeichnet jedenfalls steigende Anfragen deutscher Investoren. Er sagt: „Wir sehen Ghana als Zukunftsmarkt, der in den kommenden Jahren weiterhin sehr stark wachsen wird.“ Aufgrund der unsicheren Lage insbesondere in Nigeria und an der Côte d’Ivoire ist das stabile Ghana für viele Organisationen und Unternehmen zu einer wichtigen Drehscheibe in der Region geworden.

Außerdem hat Ghana in den letzten Jahren einige unternehmerfreundliche Reformen umgesetzt, was sich auch im jährlich erscheinenden Doing Business Report der Weltbank niederschlägt, wo Ghana immer wieder gute Platzierungen erreicht. Eine dieser Reformen ist die Einrichtung sogenannter One-Stop-Shops, die die Gründung eines Unternehmens erleichtern.

Doch es gibt durchaus auch Bremsfaktoren für Unternehmer in Ghana. Dazu zählen die existierenden Engpässe in der Energie- und Wasserversorgung sowie im Transport-Sektor. Hier hinkt Ghana in seiner Entwicklung anderen westafrikanischen Ländern wie etwa Nigeria und der Côte d’Ivoire hinterher, ist aber um eine Verbesserung der Situation bemüht. Um die unzuverlässige Stromversorgung in den Griff zu bekommen, befinden sich zum Beispiel mehrere neue Gas- und Kohlekraftwerke in der Bauphase. Wodurch sich viele Unternehmensgründer und Unternehmer in Ghana außerdem ausgebremst fühlen, sind die hohen Zinssätze bei Krediten. Sie liegen aktuell zwischen 28 und 30 Prozent.