Gesucht: Investitionen in Marokkos Landwirtschaft

Veröffentlicht in Marokko

Marokkanische Unternehmer, die in Deutschland studiert haben, beim Treffen mit dem marokkanischen Minister für Landwirtschaft und Hochseefischerei Aziz Akhannouch (vorne Mitte) in Berlin.

Mit dem 2008 lancierten “Plan Maroc Vert“ hat die marokkanische Regierung sich die Modernisierung des Agrarsektors und die Erhöhung der Wertschöpfung von landwirtschaftlichen Produkten zum Ziel gesetzt. So sollen neue Arbeitsplätze entstehen und die Nahrungsmittelsicherheit Marokkos verbessert werden. Um das dafür notwendige Know-How und Investitionen ins Land zu holen, sucht Marokko bewusst die Zusammenarbeit mit Institutionen im Ausland und mit im Ausland lebenden Marokkanern. Zum Beispiel auf der Internationalen Grünen Woche im Januar 2013 in Berlin.

Marokko erzielt 19 Prozent seines Bruttoinlandproduktes durch die Landwirtschaft. Der Sektor ist mit rund vier Millionen Beschäftigten wichtigster Arbeitgeber. Das trifft insbesondere für ländliche Regionen zu, wo bis zu 80 Prozent der Menschen von und mit der Landwirtschaft leben. Im vergangenen Jahr verließen landwirtschaftliche Produkte im Wert von 1,4 Milliarden Euro das Land. Gleichzeitig mussten aber landwirtschaftliche Waren im Wert von 3,9 Milliarden Euro importiert werden. Das waren einige der Eckdaten, die das marokkanische Ministerium für Landwirtschaft und Hochseefischerei bei einem Zusammentreffen mit interessierten Investoren auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin offenlegte. Organisiert wurde das Treffen vom Programm “Geschäftsideen für Marokko“, denn nicht wenige der in Deutschland ausgebildeten Marokkaner spielen mit dem Gedanken, in Marokkos Landwirtschaft zu investieren.

Konkrete Vereinbarungen

Unternehmer Aziz Chiki (Mitte) beim tête-à-tête mit dem marokkanischen Minister Aziz Akhannouch (rechts) und dem marokkanischen Botschafter Omar Zniber (links).

Einer von ihnen, der den Gedanken bereits in die Tat umgesetzt hat, ist Aziz Chiki. Er hat in seiner Heimatregion, in der Provinz Ouezzane, 1,2 Millionen Euro in eine umweltfreundliche und hochmoderne Produktionsanlage für Olivenöl investiert. Für Chiki hat sich die Reise nach Berlin in jedem Fall gelohnt. Denn Minister Akhannouch hat ihm in Berlin baldige Unterstützung bei der dringend notwendigen Verbesserung der Zufahrtswege zu seiner Produktionsstätte zugesagt.

Mit der dem Ministerium angegliederten Entwicklungsagentur Agence pour le Développement Agricole (ADA) hat das Programm “Geschäftsideen für Marokko“ in Berlin konkrete Absprachen für eine engere Zusammenarbeit vereinbart. Zu ihnen gehört etwa eine gezieltere Information der in Deutschland lebenden Marokkaner bei Ausschreibungen des „Plan Maroc Vert“. Zudem wollen ADA und das Programm „Geschäftsideen für Marokko“ noch in diesem Jahr eine Reise nach Marokko für interessierte Investoren aus Deutschland organisieren. Auf dieser Reise sollen innovative Pilotprojekte und interessante Regionen für eine künftige landwirtschaftliche Nutzung besucht werden. Die Reise wird zeitnah zur marokkanischen Landwirtschaftsmesse SIAM im April stattfinden.

Gezielter Transfer von Know-How und Technologie

Auch auf staatlicher Ebene sind jüngst einige konkrete Kooperationsprojekte zwischen dem marokkanischen Ministerium für Landwirtschaft und Hochseefischerei und dem deutschen Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz angelaufen. Von ihnen werden in Zukunft auch Investoren profitieren.

Zu diesen Kooperationsprojekten zählen neben Regierungsberatung vor allem praxisnahe Fachkräfteausbildung und der Einsatz modernster deutscher Technologien in ausgewählten marokkanischen Demonstrationsbetrieben. An unterschiedlichen Orten in Marokko entstehen derzeit vier Ausbildungszentren, wo Landwirte, Landtechniker, Lehrer und Beratungsunternehmen ihr Wissen über Futterbau, Getreideanbau, Kartoffelanbau, Rinderhaltung und Milchproduktion auf den neuesten Stand bringen können und wo sie neue Methoden und technische Geräte austesten können.

Einige deutsche Unternehmen aus den Bereichen Landtechnik und Agrarchemie stellen für diese Maßnahmen Geräte und Know-How zur Verfügung. Zu ihnen zählen: AGCO, BAYER, LEMKEN, EUROPLANT, GRIMME, CLAAS, RAUCH und PETKUS.