IT: Arbeiten mit der Wolke

Veröffentlicht in Marokko
Cloud Computing

Foto Tom Wang – Shutterstock

“Cloud Computing“ wurde auf der Computermesse Cebit im Februar dieses Jahres als einer der Zukunftstrends gefeiert. Eine Wissenschaftskooperation zwischen Deutschland und Marokko soll das neue Konzept auch in Marokko bekannt und für marokkanische IT-Unternehmen nutzbar machen.

Ein kleines IT-Unternehmen hat eine gute Idee und wird zum Beispiel über „youtube“ in Windeseile bekannt. Plötzlich wollen tausende Internetnutzer gleichzeitig die Webseite des Unternehmens besuchen. Da das Unternehmen auf den Ansturm nicht vorbereitet ist, bricht dessen Netzwerk zusammen. Das war etwa beim Web-Anbieter “Animoto“ der Fall, der aus einzelnen Fotos Videos produziert.

Die Lösung für solche und ähnlich gelagerte Problemfälle könnte Cloud Computing sein. Denn mit Hilfe von Cloud Computing können Rechnerkapazitäten, Programme oder auch Speicherplatz im Netz je nach Bedarf gemietet werden. Die kostenintensive Anschaffung eigener Infrastruktur ist dadurch hinfällig.

Schon heute haben viele Menschen bestimmte Teile ihres “Arbeitsplatzes“ ja längst nicht mehr auf dem heimischen Rechner, sondern speichern etwa E-Mails oder Fotos bei einem Anbieter im Internet, in einer metaphorischen Wolke also. Das ist grob vereinfacht die Idee hinter Cloud Computing. Breitflächig angewandt wäre Cloud Computing eine Revolution für die IT-Branche – auch wenn es noch Skepsis gibt, etwa in punkto Datensicherheit.

Michael Gerndt ist Professor an der Technischen Universität (TU) München und leitet ein Forschungsprojekt zu Cloud Computing zwischen Deutschland und Marokko. Auf der Tagung des Deutsch-Marokkanischen Netzwerks in Düsseldorf im März dieses Jahres hat er das neue Projekt vorgestellt. Auf die Frage, warum die TU München in diesem Projekt gerade mit marokkanischen Universitäten kooperiert, antwortet er: „Insbesondere mit der Al Akhawayn Universität hat die TU München in den letzten Jahren schon gute Arbeitsbeziehungen geschaffen.“ So gibt es zum Beispiel einen Studentenaustausch zwischen den beiden Universitäten und in einem Studienprogramm gar einen Doppelabschluss der TU München und der Al Akhawayn Universität.

„Die gute Zusammenarbeit in der Lehre hat auf beiden Seiten den Wunsch genährt, einen exzellenten Kurs zu Cloud Computing zu entwerfen“, sagt Gerndt zur Genese des zweijährigen Projekts, das im März 2011 an den Start ging. Von den Ergebnissen des Projekts könnten vor allem Start-ups profitieren. „Denn durch Cloud Computing können neue Unternehmen auch ohne große IT-Investitionen in den Markt eintreten“, so Gerndt. Schließlich erhofft er sich von dem Projekt nicht nur neue Impulse für die Forschung in Deutschland und in Marokko, sondern das daraus gewonnene Know-how soll in der IT-Branche auch zur Anwendung kommen.

Die Hauptziele des Projekts auf einen Blick:

  • Neue Erkenntnisse zu Cloud-Computing und beidseitiger Know-how-Transfer
  • Gemeinsame Entwicklung von Lehrmaterialien zum Thema
  • Austausch von Doktoranden
  • Entwicklung eigener Cloud Computing Services zur Nutzung von Servern
  • Verbreitung der Projektergebnisse in Kooperation mit weiteren marokkanischen Partnern und dadurch Nutzung durch die Industrie

Die Finanzierung des Projekts teilen sich Deutschland und Marokko. Der maßgebliche Teil des deutschen Beitrags kommt vom internationalen Büro des deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). An dem Projekt beteiligt sind neben der Technischen Universität München und dem Deutsch-Marokkanischen Kompetenznetzwerk (DMK) folgende marokkanische Universitäten:

  • Al Akhawayn
  • Cadi Ayyad
  • Mohamed I

Kontakt an der TU München:
Houssam Haitof  haitof@in.tum.de