Mehr Unternehmer unter Migranten

Veröffentlicht in Marokko

 

Unternehmensgründer

Die Industrie- und Handelskammern (IHKs) in Deutschland haben in den letzten Jahren festgestellt: Immer mehr Gründungsinteressierte in ihren Beratungen haben einen Migrationshintergrund. Das mag zum einen daran liegen, dass in Deutschland der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund zunimmt. Manchmal sind natürlich auch mangelnde Alternativen der Grund für den Weg in die Selbstständigkeit. Doch der wichtigste Grund ist womöglich, dass Migranten häufig  flexibler und risikofreudiger sind als die “eingesessene“ Bevölkerung.

Eine im September herausgegebene Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter den IHKs weist auf folgenden Entwicklungen hin:

  • 2009 haben die IHKs 11.000 angehende Unternehmer mit ausländischen Wurzeln beraten – das bedeutet einen Zuwachs von knapp 33 Prozent gegenüber 2007. Insgesamt 18 Prozent aller Gründer in Deutschland hatten einen Migrationshintergrund. 2007 waren es noch 14 Prozent.
  • Unternehmensgründungen von Einwanderern der ersten oder zweiten Generation gewinnen auch für den Arbeitsmarkt an Bedeutung: Allein im laufenden Jahr sollen Migranten durch ihre Start-ups rund 150.000 Jobs schaffen.
  • Dabei sind Jungunternehmer mit Migrationshintergrund nach den Erfahrungen der IHK-Gründungsberater weder schlechter noch besser für die Errichtung einer Firma gerüstet als ihre Kollegen mit inländischen Wurzeln. Unterschiede zeigen sich vor allem bei den Branchen: Migranten setzen überdurchschnittlich oft auf Start-ups in Handel und Gastronomie.
  • Insgesamt verdeutlicht die Auswertung, dass Gründungsinteressierte mit Migrationshintergrund einen bedeutsamen Beitrag zum Gründungsgeschehen in Deutschland leisten. Nach Einschätzung des DIHK braucht Deutschland diese Wachstumsimpulse künftig noch stärker, um die demografische Herausforderung zu bewältigen.

Der DIHK fordert deshalb, Migranten aus Nicht-EU-Ländern die Unternehmensgründung zu erleichtern und das Berufsanerkennungsgesetz zügig umzusetzen. Die Ausländerbehörden sollten geltendes Recht flexibel und einzelfallbezogen anwenden, so der DIHK.

Und: Die Bundesregierung sollte das Berufsanerkennungsgesetz zügig umsetzen, denn für viele Gründungen ist der Nachweis einer Qualifikation zur Kundengewinnung äußerst hilfreich. Die IHKs bieten an, Ansprechpartner für die Anerkennung ausländischer Abschlüsse zu werden. So könnten gründungswillige Migranten an einem Ort die Anerkennung ihrer Abschlüsse beantragen und eine Beratung zum Businessplan erhalten. Das würde auch Gründern im Programm „Geschäftsideen für Marokko“, die in Deutschland und in Marokko gründen möchten, weiterhelfen.