Mittler für deutsche Produkte in Afrika

Veröffentlicht in Marokko
Rachid Chafai

 

Noch ist Rachid Chafai ziemlich verloren in den Straßen und im alltäglichen Verkehrschaos von Casablanca. Nicht nur die Uhr in seinem Mercedes ML, auch die Gedanken im Kopf des 36-jährigen Unternehmers ticken noch deutsch. Nachdem Chafai 13 Jahre in Karlsruhe gelebt hat und die letzten vier Jahre dort einen Onlinehandel für Automobilersatzteile betrieben hat, kehrte er vor zwei Wochen mit seiner Familie nach Marokko zurück.

Rachid Chafai hat  fünf Geschwister, von denen er und drei weitere in Deutschland Wirtschaftsinformatik studiert haben behiehungsweise noch studieren. „Die Begeisterung für Deutschland haben wir unserem Vater zu verdanken. Der war ein paar Mal in Deutschland zur Weiterbildung und seitdem begeistert von der Seriösität und Strebsamkeit der Deutschen und ihren Qualitätsprodukten“, erklärt Chafai den hohen Stellenwert, den Deutschland in seiner Familie hat.

Auf der Suche nach Wachstumsmärkten

Ländern, denen es wirtschaftlich gut, sieht man den Aufschwung auch beziehungsweise gerade auch auf der Straße an. Das ist auch in Marokko der Fall, wo sich heute immer mehr moderne Fahrzeuge durch die Straßen schieben. Darunter sind in Marokko traditionell zahlreiche französische Marken, aber aufgrund der steigenden Kaufkraft und der Marktöffnung auch immer mehr Fahrzeuge deutschen Ursprungs: Mercedes, Audi, VW, BMW, auch Opel. Auf die Fahrer genau dieser Wagen hat es Chafai abgesehen. Sie sind sein Markt.

Nach dem Studium hat Chafai zunächst zwei Jahre lang als Softwareentwickler für die Automobilbranche gearbeitet. Während dieser Zeit hat er sich ein wertvolles Kontaktnetzwerk etwa zu Lieferanten aufgebaut und den Markt genau beobachtet. Dann entschied er, einen Onlinehandel für Einspritzpumpen und -düsen, Turbolader, Servopumpen, Lenkgetriebe und andere Ersatzteile aufzubauen. Der Name: Auto-Parts-Germany. Erfahrungen mit der Selbstständigkeit hat Chafai also bereits in Deutschland gesammelt, vier Jahre lang. Auf dem deutschen Markt tummeln sich aber massig Anbieter, die Konkurrenz ist groß und der Markt ist größtenteils gesättigt. „Der marokkanische Markt und Marokko als Tor zu Afrika bieten einfach mehr Wachstumspotenziale für mein Geschäft als Europa“, begründet Chafai seinen Entschluss, seinen Lebensmittelpunkt wieder nach Marokko zu verlagern.

Beste Qualität zu niedrigeren Preisen

Wer einen Onlinehandel betreibt, kann dies eigentlich von jedem Ort in der Welt tun. Wer aber den afrikanischen Markt erobern will, der muss auch vor Ort sein, um die Nachfrage genau einschätzen zu können, die Vertriebsstrukturen zu durchschauen und sich Exklusivrechte zu sichern. Die Vorteile von Marokko: Hier sind nicht nur die Wachstumschancen größer, sondern auch die Personalkosten geringer. Den Schritt nach Marokko haben Chafai und seine Frau aber nicht nur aus beruflichen Gründen getan, sondern auch weil sie ihre Kinder in Marokko einschulen wollten.

Auto-Parts-Germany

Auto-Parts-Germany heißt Chafais Online-Handel, mit dem er Ersatzteile für deutsche Fahrzeuge in Deutschland und jetzt auch in Marokko vertreibt.

Für den Besitzer eines Mercedes, Audis oder BMWs gibt es in Marokko derzeit nur eine Handvoll Stellen, wo er Ersatzteile beziehen kann. Auf die muss er in der Regel nicht nur zwei bis drei Monate warten, er muss dafür auch noch horrende Preise zahlen. Hier kommt Chafai ins Spiel. Seine Vorteile: Seine Ware kostet derzeit weniger als die Hälfte der Konkurrenzpreise, etwa weil bei ihm Zwischenhändler und Lagerkosten wegfallen. Seine Zulieferwege aus Deutschland sind eingespielt und als Geschäftskunde bei UPS kann er schnell und zuverlässig liefern. Seine Webseite auf Deutsch und Französisch ist übersichtlich und einfach zu bedienen, seine Hotline zuverlässig zu erreichen; man landet ncht in endlosen Warteschleifen wie so oft. All dies sind neben dem Preis- und Zeitaspekt Pluspunkte für Chafai, die viele Onlinehändler – vor allem in Marokko – noch nicht vorweisen können.  Die ausgezeichneten Online-Bewertungen, die Chafai in der Vergangenheit für seine Lieferdienste und Garantieleistungen erhalten hat, erlauben jedenfalls einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft.

Mental ankommen

„Die Gründung meiner Firma hier in Casablanca hat lediglich drei Tage gedauert. Die Formalitäten sind schnell erledigt. Heute muss man nicht mehr zu zig Ämtern, sondern erledigt alles über das Centre régional d’investissement“, berichtet Rachid Chafai von seinen Erfahrungen und von den Dingen, die sich in Marokko zum Besseren verändert haben. „Die größte Herausforderung in Marokko ist für mich, die Menschen zu verstehen und mit der im Vergleich zu Deutschland so unterschiedlichen Mentalität klar zu kommen“, sagt Chafai, der ein kleines Beispiel nennt: „Gleich zu Beginn habe ich einen Telefonanschluss bestellt und bezahlt. Zum zugesagten Termin war die Leitung aber tot. Auf Nachfrage bei der Telefongesellschaft erhielt ich die Antwort ’Wir kümmern uns drum’. Bis wann, erfuhr ich natürlich nicht. Solche Dinge machen mich wahnsinnig.“

Chafais Schwester und einer seiner Brüder, die ähnliche Erfahrungen nach ihrer Rückkehr aus Deutschland bereits gemacht haben und mental schon wieder in Marokko angekommen sind, sind ihm eine große Hilfe bei der Überwindung der Anlaufschwierigkeiten. Die Schwester ist es auch, die Chafai anruft, wenn er in der Fünf-Millionen-Metropole Casablanca die Orientierung verloren hat. Ein Mann, der kein Problem damit hat, eine Frau nach dem Weg zu fragen, das ist selbst in Deutschland eher die Ausnahme. Chafai ist niemand, der der Vergangenheit nachtrauert. Und doch sagt er: „Deutschland ist immer noch mein Zuhause“ und schiebt dann rasch hinterher: „Aber Marokko ist meine Heimat.“