Nachgefragt

Veröffentlicht in Marokko

Aziz Ouchen

Aziz Ouchen wurde in Deutschland geboren und lebt seit 1999 in den Niederlanden. Seit fünf Jahren ist der 36-Jährige dort im Fliesenhandel selbstständig. 2010 hat er mit Unterstützung des Programms “Geschäftsideen für Marokko“ auch in Marokko ein eigenes Unternehmen gegründet. Es heißt: “Ocean Carrelage“. Hier spricht er über über sich, sein Unternehmen und seine Erfahrungen in Marokko.


Sie und Ihre Familie leben in den Niederlanden. Was hat Sie dazu bewogen, vor zwei Jahren in Marokko ein Unternehmen zu gründen?

Aziz Ouchen: In den letzten Jahren erlebte die Baubranche in Marokko einen enormen Aufschwung. Die Nachfrage nach Qualitätsprodukten ist hier noch längst nicht gesättigt. Diese Entwicklung sah ich als Chance für den Markteintritt in Marokko. Über einen Zeitraum von zwei Jahren habe ich mich detailliert mit dem marokkanischen Markt beschäftigt. Danach fällte ich dann meine Entscheidung zur Unternehmensgründung.

Welche Produkte bieten Sie in Marokko an?

AO: Ich vertreibe Boden- und Wandfliesen für den Wohninnenbereich und Fassadenfliesen für den Außenbereich. Dabei arbeite ich hauptsächlich mit dem deutschen Hersteller Agrob Buchtal zusammen. Insbesondere die Fassadenfliesen aus Deutschland sind für den marokkanischen Markt interessant. Denn durch ihre optimale Dämmung sind sie sehr energieeffizient. Sie sorgen im Sommer für Kühle und im Winter für angenehme Raumtemperaturen. Im marokkanischen Klima sind diese Fliesen eine praktische, neuartige und langfristig kostensparende Lösung.

Gebäude mit Fassadenfliesen der deutschen Firma Agrob Buchtal. Foto: Agrob Buchtal

Für mich ist der marokkanische Markt aber auch deshalb interessant, weil Marokko – im arabischen Kontext – politische Stabilität verspricht. Das ist ein wichtiger Vorteil, der gerade im internationalen Handel eine extrem wichtige Rolle spielt.

Wie kamen Sie auf den Namen “Ocean“ Carrelage“?

AO: Das war ganz einfach. Die Fliesen (französisch: “Carrelage“), die ich von Deutschland nach Marokko exportiere, finden ihren Weg dorthin per Schiff über den Ozean. Deshalb heißt mein Unternehmen: “Ocean Carellage“.

Wie sieht Ihre Konkurrenz in Marokko aus?

AO: Bei Boden- und Wandfliesen ist die Konkurrenz in Marokko groß. Hier haben vor allem Spanien und Italien die Nase vorn. Auch China ist gut im Geschäft. Aber in diesen Segmenten gelingt es mir immer wieder, mit hochwertiger Qualität aus Deutschland zu punkten.

Anders sieht es bei energieeffizienten Fassadenfliesen aus. Sie sind technisch ausgefeilter und setzen auch ein spezielles technisches Wissen voraus. Da geht es zum Beispiel um Fragen der Gebäudebeschaffenheit und Statik oder um Witterungsverhältnisse. Noch sind energieeffiziente Fassadenfliesen eine absolute Neuheit für den marokkanischen Markt. Und deshalb ist hier das Potenzial für deutsche Produkte groß.

Funktioniert das Argument “Made in Germany“ tatsächlich noch?

AO: In Marokko hat “Made in Germany“ immer noch eine positive Wirkung, denn deutsche Produkte werden immer noch mit hoher Qualität gleichgesetzt. Jedoch verbinden viele potenzielle Kunden damit auch hohe Preise, was das Argument “Made in Germany“ abschwächt.

Made in Germany: Boden- und Wandfliesen von Agrob Buchtal. Foto: Agrob Buchtal

Aber oftmals täuschen sich die Kunden. Denn der preisliche Unterschied zu qualitativ geringwertigeren Produkten ist meist nicht all zu groß. Diese Tatsache in den Köpfen marokkanischer Konsumenten zu verankern, ist eine meiner Herausforderungen in Marokko.

Was sind Ihre Zukunftsambitionen?

AO: Ich möchte in den nächsten Jahren für mein Unternehmen eine gewisse Reputation aufbauen. Mein Unternehmen soll für Qualität, Zuverlässigkeit und Kompetenz stehen. Außerdem möchte ich mit einem wachsenden Unternehmen einen Beitrag dazu leisten, dass sich der Marktanteil deutscher Produkte in meiner Branche in Marokko erhöht.

Und was haben Sie die letzten beiden Jahre in als Unternehmer in Marokko vor allem gelehrt?

AO: Man muss vor Ort sein. Man muss mit den Leuten reden. Man muss freundschaftliche Beziehungen und Vertrauen aufbauen. In Marokko wollen die Leute den Chef persönlich sprechen. Deshalb verbringe ich derzeit 70 Prozent meiner Zeit in Marokko und überlege, mich sogar 100 Prozent auf Marokko zu konzentrieren. Wer richtig Fuß fassen will in Marokko, muss meiner Meinung nach vor Ort sein. Irgendwann muss man sich entscheiden: hier oder da. Vor dieser Entscheidung stehe ich gerade.


Kontakt: aziz.ouchen@hotmail.de