Nachgefragt

Veröffentlicht in Marokko

Unternehmer Issam El Ghouzafi

Immer mehr Firmen nutzen heute nicht mehr nur klassische Medien, sondern auch digitale Kanäle, um für Ihre Produkte und Dienstleistungen zu werben. Zum Beispiel indem sie auf bekannten Online-Plattformen wie Youtube, Dailymotion oder Twitch.tv Werbevideos – sogenannte Pre-Rolls – vor den eigentlichen Videoinhalten platzieren.

Issam El Ghouzafi bringt mit seiner Kölner Agentur > Four Media Network GmbH solche Onlineportale und interessierte Werbekunden zusammen. Seine Firma ist derzeit mit Partnern und Kunden in 15 Ländern aktiv und baut ihr Netzwerk stetig aus. Der 35-Jährige hat seine familiären Wurzeln in Marokko und sieht insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern noch große Potenziale für Onlinewerbung. Deshalb hat er 2012 auch in Marokko eine Firma gegründet. Sie heißt: M7 International S.A.R.L.

Für was stet das “Four“ in Four Media Network?

Issam El Ghouzafi: Es steht für die vier Kanäle Online, Tablet, Mobiltelefon und Smart TV. Auf diesen vier Kanälen sind wir aktiv. Wir, das bin ich und meine Partner Bernhard Mogk und Oliver Kühnel, mit denen ich Four Media Network gegründet habe.

Was können Sie einem potenziellen Kunden, der Onlinewerbung schalten will, bieten?

IG: Wir sehen uns als Plattform – als sogenannter Commercial Hub – für die Monetarisierung von Videoinhalten. Das heißt bei uns können sowohl international agierende Online-Publisher, also Onlineportale und Webseiten, als auch Werbebetreibende andocken. Viele Onlineportale und Webseiten verdienen heute ihr Geld damit, dass sie Videowerbung schalten. Wir bringen solche Portale und Werbeinteressierte zusammen und kümmern uns um die Platzierung der Werbevideos. Wir agieren derzeit in 15 Ländern und haben in unserem Netzwerk etwa 30 lokal agierende Partner, mit denen wir kooperieren. Auf Seiten der Publisher sind es derzeit zehn. Darunter sind bekannte Onlineportale wie twicht.tv, esl.tv und dailymotion.com.

Videos anschauen und mit anderen teilen: Das Onlineportal dailymotion.com ist ein wichtiger Kunde von Four Media Network.

Wir sind international ausgerichtet, das heißt wir sorgen dafür, dass die gewünschten Videobotschaften in unterschiedlichen Ländern parallel und auch in den jeweiligen Sprachen laufen. Befindet sich der Nutzer einer Seite zum Beispiel in Frankreich, bekommt er die französische Werbebotschaft eines in Frankreichs Werbetreibenden. Das heißt Onlineportale müssen nicht in jedem Land einen lokalen Werbepartner suchen, sondern sie docken bei Four Media Network an und können so mehrere Länder auf einmal abdecken. Unsere Agentur verfügt derzeit über ein Online-Inventar von insgesamt 200 Millionen Videoabrufen pro Monat und wir beschäftigen mittlerweile acht Mitarbeiter.

Ein Vorteil von Online-Unternehmen ist, dass man sie fast von überall betreiben kann. Warum haben Sie also ein weiteres Unternehmen in Marokko gegründet?

IG: Marokko ist ein Land, das derzeit noch stark auf das Fernsehen fokussiert ist. Insbesondere bei der jungen Generation ist aber eine klare Orientierung hin zu Online-Medien festzustellen. Sie verbringen oft mehrere Stunden täglich auf facebook oder youtube und lassen sich über das Fernsehen immer schlechter erreichen. Die Werbewirtschaft hat dieses große Potenzial in Ländern wie Marokko bisher noch nicht erkannt. Dabei brauchen gerade Entwicklungs- und Schwellenländer bei der Einführung von technischen Neuheiten oft weniger Evolutionsschritte als hochentwickelte Länder, das heißt Marktentwicklungen vollziehen sich dort mitunter wesentlich schneller. Mit M7 International wollen wir dieses noch weitgehend brachliegende Potenzial nutzen. Ich sehe darin nicht nur eine Wachstumschance für unser Unternehmen, sondern auch eine große Chance, Werbemärkte insgesamt interaktiver und auch transparenter zu machen.

Unser Ziel ist es, von Marokko aus dann auch andere arabische Länder zu erreichen. Interessant sind hier zum Beispiel Tunesien, Algerien, Ägypten oder die Vereinigten Emirate. Dafür ist es unbedingt notwendig, vor Ort Präsenz zu zeigen, sichtbar und greifbar zu sein, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und Vertrauen aufzubauen. Das ist der Grund, weshalb wir auch in Marokko eine Firma gegründet haben.

twitch.tv

Auch Online-Gaming-Plattformen wie twitch.tv werden immer attraktiver für Werbetreibende.

Als wir letztes Jahr beispielsweise Verhandlungen mit dem marokkanischen Fernsehsender 2M Television bezüglich einer Zusammenarbeit in Europa geführt haben, merkten wir einfach: Wir brauchen einen Ansprechpartner und eine Repräsentanz vor Ort und nicht nur eine Firma in Deutschland.

Momentan bin ich circa alle drei Monate für verschiedene Termine vor Ort. Ich suche aktiv nach möglichen Werbepartnern und kontaktiere marokkanische Betreiber von Seiten mit Videoinhalten, um sie bei der Vermarktung ihrer Inhalte zu unterstützen. Ich biete aber auch europäischen Firmen, die sich den nordafrikanischen Werbemarkt erschließen wollen, an, sie vor Ort zu repräsentieren. Und schließlich kann ich in Marokko aufgrund meines Fachwissens auch Strategie- und Marketingberatung im Mediensektor anbieten. M7 International ist also weit mehr als nur eine Repräsentanz von Four Media Network in Marokko.

Was unterscheidet Sie von anderen Unternehmen in der Branche?

IG: Ich würde sagen wir haben ein hohes Maß an Professionalität und Transparenz und pflegen einen sehr partnerschaftlichen Umgang mit unseren Kunden. Außerdem sind wir schnell und flexibel, was in dem schnelllebigen Markt, auf dem wir uns bewegen, überlebenswichtig ist.

Marokko und seine Geschäftswelt ticken anders als Deutschland. Was sind für Sie die größten Herausforderungen?

IG: Das allgemeine Know-how für Online-Bewegtbild-Vermarktung, unser Kernangebot, ist in Marokko noch sehr gering. Umgekehrt habe auch ich die Feinheiten des marokkanischen Werbemarktes bei Weitem noch nicht durchdrungen. Eine Herausforderung ist es deshalb, mich in Geduld zu üben. Das widerspricht manchmal meiner deutschen Herangehens- und Arbeitsweise, mit der man meist doch recht sehr schnell zum Ziel und zum Erfolg kommt.

Auch der Austausch von Informationen ist in Deutschland leichter. In Marokko dauert es in der Regel länger, bis jemand bereit ist, relevante Informationen mit Dir zu teilen – auch wenn er von Dir im Gegenzug ebenfalls nützliche Informationen erhält. Mit Sicherheit spielt dabei die Tatsache eine Rolle, dass ich der Marokkaner bin, der aus dem Ausland kommt. Das geht mitunter mit der Befürchtung einher „Oh, einer, der alles besser weiß“.

Und dann gibt es natürlich noch einige Herausforderungen im administrativen Bereich: Vertragstreue, Verlässlichkeit und Zahlungsmoral sind hier wichtige Stichworte. Aber insgesamt bin ich sehr positiv eingestellt. Marokko ist nicht nur ein schönes Land, es hat auch Zukunft. Mit marokkanischem Herz und deutschem Verstand lässt sich in Marokko hoffentlich einiges bewegen.