Neue Bildungskonzepte für Marokko

Veröffentlicht in Marokko
Tarik Abarriche

Tarik Abarriche

Als 21-Jähriger begann der Marokkaner Tarik Abarriche in Deutschland Maschinenbau zu studieren. Insgesamt 14 Jahre seines Lebens verbrachte er in Deutschland, bevor er Ende 2015 mit Unterstützung von „Geschäftsideen für Entwicklung“ in seiner Heimatstadt Tanger eine multilinguale Kindertagesstätte eröffnete. Tarik Abarriche sagt: „Ich merkte erst sehr spät, dass Maschinenbau mir gar nicht liegt und ich eigentlich lieber als Manager arbeiten möchte. Diese späte Erkenntnis hat auch damit zu tun, dass im marokkanischen Bildungssystem das Entdecken eigener Talente und Interessen wenig Raum hat. Das gilt insbesondere für die Kleinsten. In meinem ‚German Kindergarten‘ ist das anders!“

Wenn Menschen mit kleinen Kindern entscheiden, für längere Zeit ins Ausland zu gehen oder nach einem längeren Auslandsaufenthalt wieder in die Heimat zurückzukehren, zählt zu ihren größten Sorgen die Frage, ob sich die Kinder dort gut integrieren können. „Fühlen die Kleinen sich in ihrer neuen Umgebung nicht wohl, haben die Eltern ein großes Problem“, sagt Tarik Abarriche. Der 39-Jährige hat aus diesem potenziellen Problem und aus dem Wunsch heraus, das marokkanische Bildungssystem mit neuen kreativen Konzepten zu bereichern, in Tanger eine multilinguale Kindertagesstätte mit dem Namen German Kindergarten gegründet. Der in Deutschland ausgebildete Maschinenbauingenieur und Manager mit MBA-Abschluss hat selbst drei Kinder und kennt daher deutsche Einrichtungen für frühkindliche Bildung sehr gut. „Was ich an deutschen Einrichtungen sehr zu schätzen gelernt habe, ist, dass Kinder dort mit allen Sinnen und spielerisch lernen – und das nicht nur von Erwachsenen, sondern vor allem auch von- und miteinander.“

Spielerisch lernen und die Welt entdecken, statt stundenlang auf dem Hosenboden zu sitzen und das wiederzukäuen, was der Erzieher vorkaut. Das ist die Philosophie von Tarik Abarriches „German Kindergarten“.

Spielerisch lernen und die Welt entdecken. Das ist die Philosophie von Tarik Abarriches „German Kindergarten“.

Neue Wege der Wissensvermittlung

26 Kinder tummeln sich in Abarriches Kinderhort im etwas versteckten Viertel Tanja Balia bereits. Sie singen Lieder, lauschen Geschichten, lernen dabei, einander zuzuhören. Sie malen, basteln, gestalten Dinge also selbst. Sie stapeln Bauklötze aufeinander, tanzen oder klettern auf dem Indoor-Spielplatz herum und lernen dabei den eigenen Körper und ihre Grenzen kennen. Platz gibt es in dem zweistöckigen Gebäude, in das Abarriche rund 80.000 Euro investiert hat, für insgesamt 50 Kinder. Zwei in Deutschland ausgebildete Erzieherinnen marokkanischer Herkunft sowie sechs weitere lokale Mitarbeiterinnen kümmern sich momentan um die Kleinen. Sie sprechen mit ihnen Arabisch und Französisch und je nach Wunsch auch Deutsch oder Englisch.

„Der Name ‚German Kindergarten‘ soll nicht nur signalisieren, dass wir unter anderem Deutsch sprechen, sondern dass wir auch ein anderes Bildungs- und Erziehungskonzept fahren, als dies in herkömmlichen Einrichtungen in Marokko üblich ist“, erklärt Abarriche. Er ist als Kind zweier Lehrer in Marokko aufgewachsen und hat, um nach seiner Zeit in Deutschland in Marokko wieder Fuß zu fassen, dort zunächst ein Jahr als Manager einer Privatschule mit 70 Mitarbeitern gearbeitet. „Das ging leider nicht gut, da der Besitzer der Schule und ich nicht die gleiche Vorstellung von Wissensvermittlung hatten“, räumt Abarriche offen ein.

Strategie „Risiko streuen“

Momentan fährt Abarriche zweigleisig. Er ist nicht nur Leiter seiner Kindertagesstätte. Er vertritt auch das deutsche Dienstleistungsunternehmen „TÜV Süd“ in Marokko, hilft marokkanischen Textilfirmen also dabei, besser, effizienter und nachhaltiger zu werden. „Im Endeffekt wünsche ich mir das Gleiche auch für das marokkanische Bildungssystem. Mit unserem German Kindergarten leisten wir dazu hoffentlich einen kleinen Beitrag. Wir leiten marokkanische Erzieherinnen an, die Ideen und Methoden, die wir aus Deutschland mitgebracht haben, auch in Marokko anzuwenden, und wir begeistern Eltern, die diese neuen Ideen und Methoden noch nicht kennen.“

Eine von vielen Besonderheiten des "German Kindergarten": Er hat 24 Stunden, 7 Tage und auch in den Ferien geöffnet.

Eine von vielen Besonderheiten des „German Kindergarten“: Er hat 24 Stunden, 7 Tage und auch in den Ferien geöffnet.

Support und Gleichgesinnte suchen

Unterstützung bei der Planung und Umsetzung seiner Geschäftsidee bekam Tarik Abarriche von „Geschäftsideen für Entwicklung“. Er sagt: „Als ich noch in Deutschland gelebt habe, besuchte ich dort ein Seminar für Marokkaner, die sich selbstständig machen wollen. Dort bekam ich sehr viele nützliche Informationen und Tipps für meine Gründung in Marokko und wurde in meinem Wunsch, etwas Eigenes in Marokko aufzubauen, sehr bestärkt. Auch das individuelle Beratungsangebot zur Vorbereitung meiner Selbstständigkeit habe ich wahrgenommen.“