Niemals Nein sagen – Seminar im Mai

Veröffentlicht in Marokko

 

Teilnehmer des Seminars im Mai

Teilnehmer und Veranstalter des Seminars am 6. und 7. Mai in Frankfurt.

Anfang Mai konnten sich in Deutschland lebende Marokkaner und Marokkanerinnen bei einem zweitägigen Seminar wieder zu allen Fragen rund um die Unternehmensgründung in Marokko schlau machen. Mit dabei aus Marokko war dieses Mal der Unternehmer Jamal El Karkouri.

Wer das Angestelltendasein hinter sich lassen will und Unternehmer werden möchte, der muss einiges mitbringen. “Risikofreudigkeit“, “Opferbereitschaft“, “Durchhaltevermögen“ und “Führungskompetenz“ sind einige der Eigenschaften, die einem Unternehmer im Gegensatz zum Angestellten auf keinen Fall fehlen dürfen – waren sich die  21 Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Seminars einig.

Jamal El Karkouri

Jamal El Karkouri (rechts) bei der Arbeit in Kénitra.

Der Architekt Jamal El Karkouri bringt diese Eigenschaften mit. Mit 17 Jahren kam er nach Deutschland. An der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen hat er seine Ausbildung zum Diplomingenieur Architektur gemacht  und dann in verschiedenen Architektenbüros in Deutschland gearbeitet.

Zu den bekannteren Projekten, an denen El Karkouri in Deutschland mitgearbeitet hat, gehören die Planung des Bahnhofs Stuttgart 21 und des Flughafenausbaus in Frankfurt. Auch am höchsten Gebäude in München, dem Hochhaus am Olympiapark, hat der marokkanische Archtiekt mitgewirkt. Nach 16 Jahren in Deutschland ist El Karkouri 2006 nach Marokko zurückgekehrt. In seiner Heimatstadt Kénitra hat er sich mit einem kleinen Architekturbüro selbstständig gemacht.

Die Anfangshürden nehmen

Als für El Karkouri damals die Entscheidung anstand, in seine Heimat zurückzugehen und sich dort selbstständig zu machen, ist er alle paar Wochen für drei bis vier Tage nach Marokko geflogen. „Ich habe den Markt genau unter die Lupe genommen, um herauszufinden, wo ich künftig leben und arbeiten möchte“, berichtet El Karkouri. Als er den Schritt schließlich wagte, wurde zunächst einmal sein Durchhaltevermögen getestet. Zwei Jahre dauerte es, bis die marokkanischen Behörden sein deutsches Diplom formell anerkannten – die Voraussetzung, um in Marokko ein eigenes Architektenbüro zu eröffnen. „Nach 16 Jahren in Deutschland musste ich Marokko quasi neu kennen lernen und erst einmal verstehen, wie das System dort funktioniert“, erinnert sich der heute 38-Jährige an die ersten beiden Jahre nach seiner Rückkehr.

Mehrgleisig fahren

„Wäre ich in Deutschland geblieben, hätte ich wahrscheinlich keine eigene Firma gegründet“, sagt El Karkouri offen. In einem Architektenbüro, in dem er in Deutschland gearbeitet hat, war er einer von 60 Architekten. Jeder hatte sein klares Aufgabengebiet. Sein Aufgabenspektrum in Marokko ist heute viel breiter. Neben klassischen Planungs- und Koordinationsaufgaben beim Bau neuer Gebäude und Anlagen übernimmt El Karkouri auch Aufträge in der Stadt- und Landschaftsplanung sowie in der Innengestaltung von Gebäuden.

IT-Forschungszentrum in Rabat

In diesem Forschungszentrum in Rabat arbeiten 1500 Ingenieure an der Entwicklung von Microchips für die Mobilkommunikation. Geplant hat das Zentrum Jamal El Karkouri.

„In Marokko sollte man auf jeden Fall mehrgleisig fahren und sich nicht zu stark spezialisieren. Man sollte sich auch nicht auf ein Projekt verlassen und immer mehrere Eisen im Feuer haben. Denn in Marokko lässt sich vieles nicht sofort oder nur auf Umwegen realisieren“, riet El Karkouri den zukünftigen Unternehmern im Seminar. Seine wichtigste Devise: „Niemals nein sagen.“
Zu den Projekten, die El Karkouri und seine vier Angestellten in Marokko bereits realisiert haben, gehören neben Gebäuden für Privatkunden auch eine Fabrik für Mehlproduktion in Tanger, Tourismusanlagen in Saidia und Fès oder ein Forschungszentrum in Rabat.

Präsenz zeigen

Eine der wichtigsten Aufgaben des Unternehmers ist das Knüpfen von Kontakten. El Karkouri sagt: „In Marokko muss man ständig Präsenz zeigen.“ Dass er zum Beispiel am Bau der Fußballschule in Kénitra beteiligt sei, habe er der Tatsache zu verdanken, dass er sich regelmäßig die Spiele im Stadion ansieht und Mitglied des Erstliga-Vereins “Kénitra Athlétic Club“ (KAC) ist.

Hotel Transatlantique in Meknès

Gespür für Tradition und guten Stil: Das Hotel Transatlantique in Meknès trägt die Handschrift von Jamal El Karkouri. Er hat es saniert.

El Karkouri ist auch eines von rund 1500 Mitgliedern im “Club des Investisseurs Marocains de l’Etranger“ (C.I.M.E) und repräsentiert die Organisation in seiner Region. Er gehört außerdem zu den Gründungsmitgliedern des  Netzwerks Experten für Deutschland in Marokko, das sich 2010 in Marokko formiert hat. Die Idee hinter dem neuen Netzwerk: Die Anzahl der aus Deutschland nach Marokko zurückkehrenden hochqualifizierten Fachkräfte ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Diese Rückkehrer aus Deutschland wollen ihr Know-how und ihre Kontakte in Deutschland, aber auch die untereinander stärker und systematischer nutzen. So wollen sie die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Marokko forcieren und deutsche Investoren für Marokko interessieren.

Vom Angestellten zum eigenen Chef

Der marokkanische Fernsehsender “Medi 1 Sat“ hat den Rückkehrer Jamal El Karkouri in seinem Alltag als Unternehmer in Marokko begleitet. Hier können Sie sich den Beitrag ansehen.

Kontakt
Jamal El Karkouri
Telefon:  +212 5 37 37 77 77
Mobil: +212 6 61 38 70 93
E-Mail: ej.archi@gmail.com