Ruf zurück in die Heimat

Veröffentlicht in Marokko

 

Centre National pour la Recherche Scientifique et Technique (CNRST)

Das “Centre National pour la Recherche Scientifique et Technique“ (CNRST) hat zum Ziel, Marokko in den Bereichen Wissenschaft und Technik zukunftsfähig zu machen. Gut ausgebildete Marokkaner im Ausland und ihr Know-how spielen hierbei eine wichtige Rolle.

Das vom CNRST seit 2006 durchgeführte Programm FINCOME richtet sich deshalb gezielt an Auslandsmarokkaner, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen im Rahmen von Kurzzeiteinsätzen in Marokko einsetzen möchten. Aber auch Unternehmensgründern bietet das CNRST Unterstützung an.

Die Abkürzung FINCOME steht für “Forum International des Compétences Marocaines à l’Etranger“. Ausgesprochen bedeutet FINCOME im Arabischen “Wo bist Du?“. FINCOME ist die Neuauflage des in Marokko nicht sehr erfolgreichen Programms “Transfer of Knowledge through Expatriate Nationals“, das die Vereinten Nationen in den 90ern in Marokko initiiert haben. Rund 100.000 Euro lässt sich die marokkanische Regierung das Programm jährlich kosten, um marokkanische Institutionen und Unternehmen, die sich weiterentwickeln und modernisieren möchten, mit den Kompetenzen im Ausland lebender Marokkaner zusammenzubringen. So trägt FINCOME unter anderem die Reisekosten für die Einsätze in Marokko.

Unternehmer gesucht

Ilyas Azzioui ist Programm-Manager von FINCOME und Mitglied des “Réseau Maroc Incubation et Essaimage“ (RMIE)“. Er sagt: “Das Profil der Auslandsmarokkaner hat sich über die Jahrzehnte stark verändert. Waren es anfangs vor allem einfache Arbeiter, so sind heute immer mehr Hochqualifizierte unter ihnen. Genau diese versuchen wir zu erreichen, um ihr wertvolles Wissen für Marokkos Weiterentwicklung zu nutzen.“ Im Programm FINCOME ist das CNRST primär an Leuten interessiert, die ihr Wissen temporär zur Verfügung stellen möchten. Mit dem RMIE versucht CNRST aber auch Unternehmensgründer zu erreichen und ihnen den Start in Marokko zu erleichtern. Zwischen Januar und Juni dieses Jahres haben 70 Marokkaner aus Europa, Kanada, den USA und den Golfstaaten, die in Marokko investieren oder sich selbstständig machen möchten, die Services des CNRST in Anspruch genommen,.

Einer von ihnen war Mohamd Barray. Der 53-Jährige lebt mit seiner fünfköpfigen Familie in Deutschland und ist Teilnehmer im Programm “Geschäftsideen in Marokko“. Er hat zwei Geschäftsideen, die er in Marokko umsetzen will. Im Juni hat er an einem fünftägigen Workshop des CNRST in Rabat teilgenommen. Er sagt: „Nach so vielen Jahren in Deutschland hat mir diese Woche einen sehr guten Überblick gegeben, wie die Dinge in Marokko heute laufen.“ CNRST organisierte in den fünf Tagen jede Menge Vorträge mit Experten, z.B. über Förder- und Kreditmöglichkeiten, Personalbeschaffung, Steuern und relevante Regulierungen. Und es gab jede Menge Gelegenheiten, wichtige Kontakte zu knüpfen. Barrays Resümee: „Ich hatte das Gefühl, dass Marokkaner aus dem Ausland in Marokko heute mehr als erwünscht sind. Mich hat die Woche jedenfalls Fall bestärkt, den Schritt in die Selbstständigkeit in Marokko zu wagen.“

Frust vermeiden

Ilyas Azzioui sagt: „Viele kommen nach Marokko zurück und glauben, dass sie innerhalb eines Monats ein Unternehmen auf die Beine stellen können. Dann brauche sie aber sechs bis sieben Monate. Sie müssen an ihre Ersparnisse und schieben den ersten Frust. Unser Ziel ist die Anfangsphase mit den Anlaufschwierigkeiten so kurz wie möglich zu halten. Wer jahrelang nur zum Urlaub nach Marokko gekommen ist, hat den Anschluss an die Gepflogenheiten im Geschäftsleben meist verlernt. Wer die Businesskultur nicht durchblickt und sich darin nicht gekonnt bewegen kann, wer nicht weiß, an welche Tür er bei bestimmten Problemen klopfen kann, und welche Hürden unbedingt zu meistern sind, der verliert wertvolle Zeit. Dem beugen wir vor.“

Herkömmliche Investoren kommen und gehen – zum Beispiel wenn die Löhne anderswo günstiger sind. Auslandsmarokkaner haben in der Regel andere Beweggründe, sich in Marokko zu engagieren. Sie wandern nicht leichten Herzens einfach weiter. Und sie versuchen die Wertschöpfung in Marokko zu erhöhen – nicht nur um daran zu verdienen, sondern auch, um Marokko unabhängiger und wettbewerbsfähiger zu machen. Auch deshalb sind sie für Marokko so interessant. China und Indien sind für Azzioui die besten Beispiele dafür, welche positive Energie und welches Innovationspotenzial von der Diaspora für die Wirtschaftsentwicklung eines Landes ausgehen kann. „Auslandsmarokkaner übernehmen außerdem eine wichtige Brückenfunktion. Sie stellen Kontakte in andere Länder her und eröffnen so neue Geschäftsmöglichkeiten“, so Azzioui. „Gerade in Deutschland lebende Marokkaner könnten uns helfen, unsere Beziehungen zur wichtigsten Wirtschaftsmacht in Europa zu verbessern und uns von Frankreichs Dominanz etwas zu befreien.“