Von der Selbsterkenntnis zum produktiven Network

Veröffentlicht in Marokko
Teilnehmer Netzwerktreffen

Experts made in Germany: 47 Deutschlandrückkehrer kamen im März in Casablanca zu einem Netzwerktreffen zusammen. Im Bild einige der insgesamt 47 Teilnehmer und Moha Ezzabdi (6. von rechts).

Wer in Marokko auf Rückkehrer aus Deutschland trifft, der hört immer wieder die Klage: „Rückkehrer aus anderen Ländern –  etwa aus Frankreich – sind viel geschickter als wir. Sie sind besser vernetzt und sie sind die besseren Kommunikatoren.“ Dabei stehen Rückkehrer aus Deutschland, wenn es um die fachlichen Qualifikationen geht, Rückkehrern aus anderen Ländern in nichts nach. Nur zeichnen sich jene aus Deutschland nicht selten eher durch höfliche Zurückhaltung als durch übermäßige Selbstvermarktung aus.

„Wir machen einfach zu wenig aus unseren Potenzialen“, lautet daher eine ebenfalls nicht selten zu hörende Selbsterkenntnis. So kann es zum Beispiel durchaus vorkommen, dass zwei Rückkehrer aus Deutschland im selben Unternehmen in Marokko arbeiten und nichts voneinander wissen. Ein häufiger Reflex von Rückkehrern ist laut Moha Ezzabdi die Forderung: „Deutschland muss etwas dafür tun, um die deutschen Kompetenzen in Marokko besser zu nutzen.“

Eigenengagement statt fremder Hilfe

Moha Ezzabdi arbeitet seit vier Jahren in Marokko als Berater für Rückkehrende Fachkräfte aus Deutschland und sieht das Ganze aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen etwas anders. Er hält Selbsthilfe und eigenes Engagement für erfolgversprechender und sagt: „In Marokko haben Rückkehrer aus Deutschland sehr unterschiedliche Interessen und politische Einstellungen. Sie müssen sich aus eigener Überzeugung aufeinander zu bewegen und selbst etwas in eine bessere Vernetzung investieren. Fremdgesteuerte Bemühungen schlafen sonst rasch wieder ein.“

Im März fand in Casablanca die Umweltmesse “Enviro Maroc“ statt, auf der zahlreiche deutsche Unternehmen neueste Technologie aus Deutschland präsentierten. Im Rahmen dieser Messe lud Moha Ezzabdi Deutschlandrückkehrer zu einem Netzwerktreffen ein. 47 von ihnen kamen zu der eintägigen Veranstaltung, weil sie an einer systematischeren Vernetzung, einem lebendigeren Austausch zwischen Marokko und Deutschland und nicht zuletzt auch an der Verbesserung des Umweltschutzes in Marokko stark interessiert sind.

Eine Arbeitsgruppe von Freiwilligen will sich in den nächsten Wochen Gedanken darüber machen, wie ein landesweites Treffen von Deutschlandrückkehrern aussehen kann. Es ist noch für dieses Jahr geplant und soll mit Unterstützung von CIM, der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Deutschen Auslandshandelskammer (AHK) in Marokko stattfinden.

Virtuelle Plattform statt Verein

Einen weiteren sehr häufigen Reflex unter Rückkehrern ist der “Wir gründen einen Verein“ Reflex. Dem widerstanden die Teilnehmer der Netzwerkveranstaltung in Casablanca nach längerer Diskussion jedoch. Sie einigten sich stattdessen darauf, sich erst einmal virtuell zu formieren und hierfür das “Alumniportal Deutschland“ zu nutzen. So können sie das tatsächliche Interesse und den speziellen Austauschbedarf in einem ersten Schritt erst einmal ausloten. Wer dabei sein will: Hier geht’s zur Community des Alumniportals Deutschland und von dort nach der Registrierung zum „Réseau competence marocaine formé Allemagne“ (RCMFA).